Neue Facetten entdeckt: Zweite Scholl-Runde erweitert das Bild von Eugen Grimminger

Die Scholls und die "Weiße Rose" stehen für das Bild des studentischen Widerstands. Diesem haben die Geschichtsschreiber den Crailsheimer Eugen Grimminger als "Finanzier der Weißen Rose" hinzugefügt.

HANNES HARTLEITNER

Ingersheim Dass dies viel zu wenig ist, konnte der präzise vorbereitete Moderator Peter Pfitzenmaier mit seinen Gästen in der zweiten Ingersheimer "Scholl-Runde" nachweisen. Nicht nur der Talk-Moderator, sondern auch die 82-jährige Grimminger-Sekretärin Hedi Wild beeindruckten durch treffende Statements.

Mit Eugen Grimmingers Großneffen Hartmut Pietzker, dem Grimminger-Freund Oskar A. König und dem Crailsheimer Historiker Giselher Technau beschrieben sie eine eigenwillige Persönlichkeit, die nicht zuletzt durch ihr soziales Engagement und ihre besondere Hilfsbereitschaft in Gegensatz zu den Nationalsozialisten geriet - in eine eigene Geschichte des Widerstands, die schließlich in die Tragik der Münchner Verwicklungen einmündete.

Eugen Grimmingers Hilfe kam Ende der dreißiger Jahre vielen Bedrängten zugute, vor allem half er Verfolgten über die Grenze in die Freiheit. Kein Wunder, dass er umgehend handelte, als er von Hans Scholl um Unterstützung gebeten wurde.

Bernhard Eble aus Bad Aibling, Sohn des Pflichtverteidigers von Eugen Grimminger und echter Überraschungsgast, wartete mit Insider-Wissen auf und erntete mehrfach Beifall. Er erläuterte die gleichermaßen riskante wie höchst erfolgreiche Prozess-Strategie seines Vaters: Eble senior hatte es gewagt, vor dem berüchtigten "Blutrichter" Roland Freisler Beweisanträge zu stellen!

Daraus resultierte sein entscheidender Vorstoß: der Auftritt von Grimmingers Sekretärin Tilly Hahn, die ihren Chef mit einem wohlvorbereiteten und heimlich abgesprochenen Auftritt vor Gericht herauspaukte. Grimmingers Todesurteil stand bis zu diesem Zeitpunkt drohend im Raum.

Die Liebe des Genossenschaftspräsidenten, Widerständlers und engagierten Tierfreunds Eugen Grimminger zu der Stadt Crailsheim kam auch in Anekdoten und Berichten zum Ausdruck. Bewegend war Hedi Wilds Bericht aus den letzten Stunden des "Chefs": Am Fenster stehend äußerte er seinen letzten dringlichen Wunsch "ich will heim!". "Daheim" - das war für diesen bemerkenswerten Mann immer seine Heimatstadt an der Jagst.

Die Ingersheimer Beschreibungen werden protokolliert und dem Stadtarchiv Crailsheim übergeben.

Erscheinungsdatum: Freitag 25.07.2008

(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Hohenloher Tagblatts)

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