Zum Tod der Geschwister Scholl vor 75 Jahren

 Crailsheim / Ute Schäfer 21.02.2018
Zum Todestag von Sophie und vor allem von Hans Scholl - am Donnerstag vor 75 Jahren - beginnt in dessen Heimatort Ingersheim ein wahrer Veranstaltungsreigen.

In der Geschwister-Scholl-Schule in Ingersheim ist das Scholl-Grimminger-Zimmer untergebracht. Morgen, am 75. Todestag von Hans und Sophie Scholl, gibt es hier um 17 Uhr eine Führung. Treffpunkt ist an der Schule. © Foto: Archiv

Zum Prozess wurde der berüchtigte Präsident des Volksgerichtshofs, Roland Freisler, eigens nach München geflogen. Denn da waren Mitglieder der „Weißen Rose“ auf frischer Tat ertappt worden. Sie hatten Flugblätter verteilt und zum Widerstand gegen das Regime aufgerufen.

Für die Nazis ist das „landesverräterische Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat und Wehrkraftzersetzung“, so die Urteilsbegründung. Freisler machte kurzen Prozess. Für den Volksgerichtshof gab es „zum Schutze des kämpfenden Volkes und Reiches nur eine gerechte Strafe: die Todesstrafe. Der Volksgerichtshof weiß sich darin mit unseren Soldaten einig!“, heißt es samt Ausrufezeichen im Urteil weiter. „Als Verurteilte müssen die Angeklagten auch die Kosten des Verfahrens tragen.“

Am Abend des 22. Februar 1943 waren die drei jungen Menschen tot. In seiner Zelle hatte Hans Scholl noch mit Bleistift an die Wand geschrieben: „Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten.“
Hans Scholl ist in Ingersheim geboren

Crailsheim und vor allem Ingersheim fühlt eine enge Verbindung zu Hans Scholl, der dort am 22. September 1918 geboren wurde – sein Vater Robert war Bürgermeister des damals noch selbstständigen Orts. Doch wie groß die Verbundenheit ist, den die Erinnerung in Crailsheim auslöst, zeigt schon die Tatsache, dass es eine ganze Reihe an Initiativen gibt, die sich ihr widmen. So gibt es den Arbeitskreis Weiße Rose, es gibt das Scholl-Grimminger-Forum und die Initiative Erinnerung und Verantwortung, die 2014 aus der „Initiative Geschwister Scholl“ hervorging.

Sie alle – und noch mehr Organisationen wie etwa das Stadtarchiv und die Schulen – warten im Gedenkjahr mit Veranstaltungen auf. Die Stadt Crailsheim hat sie in einer zwölfseitigen Broschüre zusammengefasst. Drei Veranstaltungen plant allein die Kirchengemeinde Ingersheim. Am 15. März wird Stadtarchivar Folker Förtsch im dortigen Gemeindehaus eine Ausstellung eröffnen, die den Titel trägt „Beweist durch die Tat, dass ihr anders denkt“.

Am 7. Juni lesen Jugendliche aus Ingersheim in der Matthäuskirche aus Briefen und Aufzeichnungen von Hans Scholl. Zu dessen 100. Geburtstag gibt es am 23. September einen Gedenkgottesdienst in der Matthäuskirche.

An den Jahrestag des Flugblatt-Abwurfs in der Münchner Universität, 18. Februar 1943, hatte in der vergangenen Woche bereits eine Schülergruppe mit dem Scholl-Grimminger-Forum Crailsheim erinnert. Sie spielten im Stuttgarter „Geschichtsort Hotel Silber“, der damaligen Gestapo-Zentrale, Spielszenen zum Thema. Am 27. April präsentiert das Scholl-Grimminger-Forum im Ingersheimer Scholl-Grimminger-Zimmer den Schauprozess gegen die Geschwister Scholl.

Am Todestag selbst, also morgen, lädt der Arbeitskreis Weiße Rose um 17 Uhr zu einer Führung ins Scholl-Grimminger-Zimmer in der Geschwister-Scholl-Schule in Ingersheim. Im Gedenkzimmer wird mit Wort, Bild und Ton an die Weiße Rose erinnert. Außerdem stehen dort Einrichtungsgegenstände der Familien Scholl und Grimminger. Das sei „einzigartig in Deutschland“, heißt es in einer Pressemitteilung des Arbeitskreises. Zu sehen sind eine Schreibmaschine und Druckmaschinen, die mit denen baugleich sind, die die Mitglieder der Weißen Rose verwendet haben.
Vortrag über die „Rote Hilfe“

Nach der Führung um 18.45 Uhr trifft sich der Arbeitskreis Weiße Rose zur Mitgliederversammlung in der Schule. Um 20 Uhr folgt ein Vortrag von Silke Makowski über die Rote Hilfe – eine bereits in der Weimarer Republik gegründete große, linke Solidaritätsaktion. Sie war im Dritten Reich zwar ab 1933 verboten, arbeitete aber im Verborgenen weiter. „Helft den Gefangenen in Hitlers Kerkern“ ist der Vortrag überschrieben, der die Veranstaltungen in Crailsheim am Todestag von Hans und Sophie Scholl beschließt.

Doch der Veranstaltungsreigen wird weitergehen: Es gibt von Vorträgen über szenische Lesungen, Exkursionen und Spaziergänge alles bis hin zu einem Symposium und zur Enthüllung des Denkmals am Postplatz.
Texte im Wortlaut und Infobroschüre

Wer nachlesen will: Die Bundeszentrale für politische Bildung (www.bpb, „Geschichte“ anklicken) hat die Vernehmungsprotokolle und das komplette Urteil gegen die Geschwister Scholl und Chrisoph Probst im Wortlaut ins Netz gestellt.

Die Informationsbroschüre der Stadt Crailsheim findet sich digital auf der Homepage des Stadtarchivs (www.stadtarchiv-craislheim.de, „Projekte“ anklicken).

Die Veranstaltungen morgen in der Geschwister-Scholl-Schule in Ingersheim in Kürze: 17 Uhr: Führung durch das Scholl-Grimminger-Zimmer; 18.45 Uhr: Mitgliederversammlung Arbeitskreis Weiße Rose; 20 Uhr: Vortrag Silke Makowski über die Rote Hilfe. uts

(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Hohenloher Tagblatts)

Link zum Originalartikel: (externer Link, neues Fenster)

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