Organisation trotz Verbots und Auflösung aktiv

Crailsheim / swp 28.02.2018

Zum Teil von weit her waren Interessierte gekommen, um Silke Makowskis Vortrag über die Rote Hilfe Deutschlands am 75. Todestag von Hans Scholl zu hören. Entsprechend voll war der Saal in Ingersheim.

Silke Makowski referierte in der Geschwister-Scholl-Schule Ingersheim über die Rote Hilfe Deutschland. © Foto: Ernst Hübner
Silke Makowski referierte in der Geschwister-Scholl-Schule Ingersheim über die Rote Hilfe Deutschland. © Foto: Ernst Hübner

Während die Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ nur wenige Menschen umfasste, handelte es sich bei der Roten Hilfe Deutschland um eine linke Massenorganisation. Auch sie hat durch Flugblätter politisch informiert und zum Widerstand aufgerufen.

In ihrem Vortrag „‚Helft den Gefangenen in Hitlers Kerkern!‘ – Die Rote Hilfe Deutschlands im antifaschistischen Widerstand ab 1933“ stellte die Heidelberger Forscherin Silke Makowski die Arbeit dieser großen, aber wenig bekannten linken Solidaritätsorganisation vor. Sie schilderte, wie schon in der Weimarer Republik die Rote Hilfe (RHD), die 1932 etwa eine Million Mitglieder umfasste, politische Gefangene sowie deren notleidende Familien unterstützte und sich gegen staatliche Repressionen wandte.

Nachdem die RHD 1933 von den Nazis verboten worden war, halfen viele Ortsgruppen den Verfolgten weiter. Über Jahre hinweg sammelten zahllose Nazigegner Spenden für die Angehörigen der in die KZs Verschleppten und informierten die Bevölkerung in Flugblättern und Zeitungen über den brutalen NS-Terror. Viele Rote-Hilfe-Gruppen waren in der Illegalität gut vernetzt und standen in engem Austausch mit der Berliner Leitung. Die Referentin hob hervor, dass sich auffällig viele Frauen an den Aktivitäten beteiligten und dabei geschickt frauentypische Handlungsmuster zur Tarnung nutzten: So wurden beispielsweise Flugblätter im Kinderwagen transportiert oder geheime Treffen als harmlose Kaffeekränzchen ausgegeben. Neben KPD-Mitgliedern engagierten sich Antifaschistinnen anderer Spektren, etwa der SPD und der Gewerkschaften sowie kritischer christlicher Kreise, für die illegale Rote Hilfe.


Von Anfang an im Nazi-Visier

Die Organisation war von Anfang an im Visier der Nazis, die die Gruppen verfolgten, Zehntausende RHD-Mitglieder verhafteten und zu hohen Strafen verurteilten. Deshalb wurde die Organisation ab 1936 zusehends schwächer. 1938 wurde die RHD offiziell aufgelöst, doch viele kleine Gruppen leisteten auch später noch materielle Unterstützung.

Zuletzt ging Makowski auf die Rote Hilfe in der Region ein. Während zu Crailsheim keine Unterlagen überliefert sind, gibt es für den Raum Hall Hinweise. Dort war es im Februar und März 1933 zu Widerstandsaktionen vor allem seitens der KPD gekommen, die die Nazis durch massive Verhaftungswellen beendeten: Bis Dezember 1933 waren 66 ­Haller Oppositionelle in „Schutzhaft“ genommen worden. 19 ­Antifaschisten standen im März 1934 im „Haller Kommunistenprozess“ vor dem Reichsgericht Leipzig. Der Hauptangeklagte, Heinrich Stark aus Gnadental, wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Sicher wurde für die Gefangenen aus dem Raum Hall hauptsächlich vor Ort gesammelt, doch daneben bestand Kontakt zur Bezirksleitung in Stuttgart: Noch Anfang 1935 vermerkt laut Makowski ein RHD-interner Bericht, dass Familienangehörige in Gnadental finanzielle Unterstützung aus der zentralen Bezirkskasse erhielten.

 

(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Hohenloher Tagblatts)
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